
Den Taupunkt berechnen Sie aus Raumtemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit, am genauesten mit der Magnus-Formel. Bei 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit liegt er bei 9,3 Grad. Jede Fläche im Raum, die kälter ist, wird feucht, weil sich dort Wasser aus der Luft niederschlägt. Für Schimmel muss es gar nicht so weit kommen. Ihm genügen auf Dauer etwa 80 Prozent Feuchte direkt an der Oberfläche, und die sind im selben Raum schon an Wänden mit 12,6 Grad erreicht. Die Formel, zwei nachgerechnete Beispiele und eine Tabelle zum Ablesen finden Sie unten.
Was der Taupunkt ist
Luft kann nur eine begrenzte Menge Wasserdampf aufnehmen, und diese Menge hängt von der Temperatur ab. Warme Luft fasst mehr, kalte weniger. Kühlt feuchte Luft ab, steigt ihre relative Luftfeuchtigkeit, obwohl kein Wasser hinzukommt. Bei 100 Prozent ist sie gesättigt, und das überschüssige Wasser fällt als Tau aus.
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt den Taupunkt als die Temperatur, auf die ein Luftpaket bei gleichbleibendem Druck abgekühlt werden muss, damit es gesättigt ist. Im Alltag kennen Sie das von einer Flasche aus dem Kühlschrank, die sofort beschlägt. Im Wohnraum spielen kalte Fensterscheiben, Außenwände und Raumecken diese Rolle.
Die Formel: Taupunkt mit der Magnus-Formel berechnen
Für Raumluft hat sich die Magnus-Formel durchgesetzt. Sie rechnet in zwei Schritten. Zuerst bestimmen Sie einen Hilfswert γ (gesprochen Gamma), danach den Taupunkt τ.
Schritt 1: γ = ln(φ / 100) + (a × T) / (b + T)
Schritt 2: τ = (b × γ) / (a − γ)
Dabei steht T für die Lufttemperatur in Grad Celsius, φ für die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent und ln für den natürlichen Logarithmus, den jeder Taschenrechner und jede Tabellenkalkulation kennt. Die beiden Konstanten lauten a = 17,62 und b = 243,12 Grad. Diese Werte gehen auf den Meteorologen Sonntag (1990) zurück und gelten für Luft über Wasser bei Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts, also für jede Wohnung.
In einer Tabellenkalkulation sieht das so aus, wenn die Temperatur in A1 und die Feuchte in B1 steht:
=243,12*(LN(B1/100)+17,62*A1/(243,12+A1))/(17,62-(LN(B1/100)+17,62*A1/(243,12+A1)))
Beispiel 1: Wohnzimmer mit 20 Grad und 50 Prozent
- ln(50 / 100) = ln(0,5) = −0,693
- 17,62 × 20 = 352,4 und 243,12 + 20 = 263,12, daraus 352,4 / 263,12 = 1,339
- γ = −0,693 + 1,339 = 0,646
- τ = (243,12 × 0,646) / (17,62 − 0,646) = 157,1 / 16,974 = 9,3 Grad
Beispiel 2: Schlafzimmer mit 18 Grad und 65 Prozent
- ln(65 / 100) = ln(0,65) = −0,431
- 17,62 × 18 = 317,16 und 243,12 + 18 = 261,12, daraus 317,16 / 261,12 = 1,215
- γ = −0,431 + 1,215 = 0,784
- τ = (243,12 × 0,784) / (17,62 − 0,784) = 190,6 / 16,836 = 11,3 Grad
Das kühle, feuchtere Schlafzimmer hat also einen um zwei Grad höheren Taupunkt als das wärmere Wohnzimmer. Seine Wände dürfen deshalb weniger abkühlen, bevor sie nass werden.
Faustformel für unterwegs
Ohne Rechner hilft eine Näherung, die ab etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit gut passt: Taupunkt ≈ Temperatur − (100 − Luftfeuchtigkeit) / 5. Für 20 Grad und 50 Prozent ergibt das 10 Grad statt 9,3, für 18 Grad und 65 Prozent 11 Grad statt 11,3. Für eine schnelle Einschätzung reicht das, für Grenzfälle nehmen Sie die Magnus-Formel oder die Tabelle.
Taupunkt-Tabelle für Wohnräume
Die Werte sind mit der Magnus-Formel berechnet und auf eine Nachkommastelle gerundet. Ist eine Oberfläche kälter als der angegebene Wert, bildet sich dort Tauwasser.
| Raumtemperatur | 40 % | 50 % | 60 % | 70 % |
|---|---|---|---|---|
| 16 °C | 2,4 °C | 5,6 °C | 8,2 °C | 10,5 °C |
| 18 °C | 4,2 °C | 7,4 °C | 10,1 °C | 12,4 °C |
| 20 °C | 6,0 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C |
| 22 °C | 7,8 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C |
| 24 °C | 9,6 °C | 12,9 °C | 15,8 °C | 18,2 °C |
Wann Wände feucht werden
Sichtbares Tauwasser entsteht, sobald eine Oberfläche den Taupunkt unterschreitet. Das passiert zuerst an den kältesten Stellen eines Raums, typischerweise an der Fensterscheibe, an der Fensterlaibung, in Außenwandecken, am Rollladenkasten und hinter Schränken, die direkt an einer Außenwand stehen. Das bekannteste Zeichen ist Kondenswasser am Fenster am Morgen.
Für Schimmel liegt die Grenze niedriger. Schimmelpilze wachsen bereits, wenn die Luft direkt an der Oberfläche über längere Zeit rund 80 Prozent relative Feuchte erreicht, ganz ohne Wassertropfen. Diese Grenztemperatur lässt sich mit derselben Formel bestimmen, indem man die Temperatur sucht, bei der die vorhandene Feuchte 80 Prozent ergibt. Für Raumluft mit 20 Grad und 50 Prozent sind das 12,6 Grad. Die Wärmeschutznorm DIN 4108-2 legt ihren Mindestanforderungen genau diese Raumbedingungen zugrunde und verlangt, dass Innenoberflächen bei minus 5 Grad Außentemperatur nicht kälter als etwa 12,6 Grad werden.
| Raumtemperatur | 50 % | 60 % | 70 % |
|---|---|---|---|
| 18 °C | 10,7 °C | 13,5 °C | 15,9 °C |
| 20 °C | 12,6 °C | 15,4 °C | 17,9 °C |
| 22 °C | 14,5 °C | 17,4 °C | 19,8 °C |
Die zweite Tabelle zeigt die Oberflächentemperatur, unter der Schimmel auf Dauer wachsen kann. Sie macht deutlich, wie stark die Raumfeuchte zählt. Steigt sie in einem 20 Grad warmen Raum von 50 auf 70 Prozent, muss eine Wand plötzlich fast 18 Grad warm bleiben. Das schafft kaum eine Außenwandecke an einem Frosttag, und genau so beginnt die Entstehung von Schimmel in vielen Wohnungen.
So prüfen Sie Ihre Wände in der Praxis
Für eine eigene Einschätzung brauchen Sie zwei Werte. Um Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu messen, genügt ein Hygrometer, viele digitale Geräte zeigen den Taupunkt sogar direkt an. Die Oberflächentemperatur messen Sie mit einem Infrarot-Thermometer oder einem Kontaktfühler.
- Kalten Morgen wählen. Am aussagekräftigsten ist die Messung bei Frost, bevor gelüftet wird.
- Kritische Stellen messen. Raumecken an Außenwänden, Fensterlaibung, Wand hinter Bett und Schrank, Bereich unter der Fensterbank.
- Vergleichen. Liegt die Wand unter dem Taupunkt, ist sie nass. Liegt sie zwischen Taupunkt und der Schimmelgrenze aus der zweiten Tabelle, droht auf Dauer Befall.
Liegen Werte regelmäßig im kritischen Bereich, gibt es zwei Stellschrauben. Sie senken die Raumfeuchte durch richtiges Lüften und gleichmäßiges Heizen, oder Sie machen die kalte Fläche wärmer, etwa indem Sie Möbel einige Zentimeter von der Außenwand abrücken. Bleibt eine Stelle trotzdem dauerhaft zu kalt, steckt oft eine Wärmebrücke dahinter. Dann ist eine Fachperson für Bauphysik oder Energieberatung die richtige Adresse.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Taupunkt am einfachsten?
Am einfachsten lesen Sie ihn aus der Tabelle oben ab oder nutzen ein Hygrometer mit Taupunktanzeige. Zum Nachrechnen eignet sich die Magnus-Formel mit den Konstanten 17,62 und 243,12, für eine grobe Schätzung die Faustformel Temperatur minus (100 minus Luftfeuchtigkeit) geteilt durch 5.
Was passiert, wenn eine Wand unter dem Taupunkt liegt?
Dann schlägt sich Wasser aus der Raumluft auf der Oberfläche nieder. Passiert das regelmäßig, durchfeuchten Putz und Tapete, und Schimmel findet ideale Bedingungen.
Ab welcher Wandtemperatur droht Schimmel?
Das hängt von der Raumluft ab. Bei 20 Grad und 50 Prozent liegt die Grenze bei rund 12,6 Grad Oberflächentemperatur, bei 60 Prozent schon bei 15,4 Grad.
Warum beschlägt zuerst das Fenster?
Die Scheibe ist meist die kälteste Fläche im Raum, bei älteren Fenstern deutlich kälter als die Wand. Sie unterschreitet den Taupunkt deshalb zuerst und zeigt früh an, dass die Raumluft zu feucht ist.
