Richtig lüften ist der wirksamste Schutz vor Schimmel in der Wohnung. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit schlägt sich Wasser an den kältesten Stellen der Außenwände nieder, und dort kann Schimmel in der Wohnung wachsen, oft unbemerkt hinter Möbeln oder in Raumecken. Das betrifft das Schlafzimmer und das Kinderzimmer ebenso wie das Wohnzimmer und die kühleren Kellerräume. Atmen, Duschen, Kochen und Wäschetrocknen geben jeden Tag Feuchtigkeit an die Raumluft ab, die wieder hinaus muss. Wie oft und wie lange Sie dafür die Fenster öffnen, hängt vor allem von der Jahreszeit ab, und ein CO2-Messgerät zeigt, wann die Luft verbraucht ist.
Warum falsches Lüften Schimmel begünstigt
Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Bei 20 Grad fasst ein Kubikmeter Luft bei voller Sättigung rund 17 Gramm Wasser, bei 10 Grad nur noch etwa 9 Gramm. Kühlt warme, feuchte Raumluft an einer kalten Wand ab, kann sie das Wasser nicht mehr halten, und es schlägt sich als Tauwasser nieder. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt an der kalten Oberfläche dabei stark an, auch wenn ein Messgerät in der Raummitte noch einen unauffälligen Wert zeigt.
Besonders gefährdet sind Außenecken, Fensterlaibungen und die Wandbereiche hinter Schränken und Betten, weshalb Schimmel im Schlafzimmer oft lange unentdeckt bleibt. Ein Schrank direkt an der Außenwand verhindert, dass dahinter Luft zirkuliert, und die Wand bleibt dort kälter als im übrigen Raum. Stellen Sie große Möbel deshalb mit einigen Zentimetern Abstand vor Außenwände. Wo das nicht geht, sind offene Regale an diesen Wänden die bessere Wahl als geschlossene Schränke.
Wie oft sollte man lüften?
Jede Wohnung muss regelmäßig gelüftet werden, auch in den kalten Wintermonaten. Das Umweltbundesamt rät in seinen Tipps zum richtigen Lüften gegen Schimmel, in der kalten Jahreszeit zwei- bis dreimal am Tag pro Raum für etwa fünf Minuten mit weit geöffnetem Fenster zu lüften. Das Schlafzimmer lüften Sie morgens nach dem Aufstehen und möglichst auch vor dem Schlafengehen. In Bad und Küche öffnen Sie das Fenster während und direkt nach dem Duschen oder Kochen, denn dort fällt in kurzer Zeit sehr viel Feuchtigkeit an. Viele Personen im Raum, zahlreiche Pflanzen oder ein Aquarium bedeuten ebenfalls mehr Feuchte und damit häufigeres Lüften.
| Situation | Dauer je Lüftung | Wann und wie oft |
|---|---|---|
| Wohnräume in der kalten Jahreszeit | etwa 5 Minuten | zwei- bis dreimal am Tag pro Raum |
| Schlafzimmer | 5 bis 10 Minuten | morgens nach dem Aufstehen, möglichst auch vor dem Schlafengehen |
| Bad und Küche | 5 bis 10 Minuten | während und direkt nach dem Duschen oder Kochen |
| Wohnräume in der warmen Jahreszeit | 10 bis 20 Minuten | regelmäßig, je nach Temperatur und Wind |
Die Werte sind Richtwerte des Umweltbundesamts für Fensterlüftung mit weit geöffnetem Fenster. Mit Durchzug über gegenüberliegende Fenster geht der Luftaustausch schneller, bei nur einem Fenster dauert er länger.
Stoßlüften: kurz und weit geöffnet
Beim Stoßlüften öffnen Sie das Fenster vollständig, am besten mehrere Fenster gleichzeitig. Liegen sie an gegenüberliegenden Seiten der Wohnung und stehen die Türen dazwischen offen, entsteht Durchzug, und die feuchte Luft ist in wenigen Minuten gegen frische ausgetauscht. Wände und Möbel kühlen in dieser kurzen Zeit kaum aus, deshalb ist der Raum danach schnell wieder warm. Drehen Sie die Heizkörperthermostate während des Lüftens herunter, sonst heizt die Heizung gegen die einströmende Kaltluft an.
Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist dagegen der falsche Weg. Es tauscht wenig Luft aus, kühlt aber die Wand rund um das Fenster aus, sodass sich genau dort Kondenswasser bildet. Laut Umweltbundesamt steigen dadurch außerdem Energieverbrauch und Heizkosten deutlich. Im Sommer, wenn nicht geheizt wird, ist ein gekipptes Fenster unproblematisch.
Lüften und richtig heizen gehören zusammen, denn auch selten genutzte Räume sollten beheizt werden, damit ihre Wände nicht auskühlen. Ein Luftreiniger kann zusätzlich für angenehme Raumluft sorgen, Feuchtigkeit transportiert er aber nicht ab und ersetzt das Lüften deshalb nicht.
Lüften im Winter und im Sommer
Im Winter wirkt Lüften am stärksten, weil kalte Außenluft wenig Wasser enthält. Erwärmt sie sich im Raum, sinkt ihre relative Feuchte stark, und sie kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Fünf Minuten Durchzug genügen dann meist. Dass die Luftfeuchtigkeit im Winter in beheizten Räumen oft unter 40 Prozent fällt, ist deshalb kein Grund, auf das Lüften zu verzichten. Auch beim Lüften bei Regen trocknet die kalte Außenluft die Wohnung in der Heizperiode, obwohl es draußen nass ist.
Im Sommer dauert der Luftaustausch länger, weil sich Innen- und Außentemperatur kaum unterscheiden. Das Umweltbundesamt nennt dafür 10 bis 20 Minuten je Lüftung. Kühle Räume wie Keller und Wohnungen im Erdgeschoss oder Souterrain lüften Sie im Sommer nur nachts oder früh am Morgen, denn warme, feuchte Tagesluft schlägt sich an den kalten Wänden nieder. Bleibt die Luftfeuchtigkeit im Keller trotzdem hoch, stecken oft bauliche Ursachen dahinter.
Feuchtigkeit gar nicht erst entstehen lassen
Lüften entfernt Feuchtigkeit, noch wirksamer ist es, sie gar nicht erst in der Wohnung zu verteilen. Die größten Quellen sind Duschen, Kochen und Wäschetrocknen, dazu Zimmerpflanzen und Aquarien.
- Nach dem Duschen: Fenster weit auf, Badtür zu und das Wasser mit einem Abzieher von Fliesen und Duschwand entfernen, so sinkt die Luftfeuchtigkeit im Badezimmer schneller.
- Beim Kochen: Deckel auf die Töpfe, Dunstabzug einschalten und die Küchentür schließen, damit sich der Dampf nicht in der Wohnung verteilt.
- Wäsche trocknen: möglichst im Trockenraum oder im Trockner, nicht im Schlafzimmer. Bei einem Ablufttrockner gehört der Schlauch ins Freie.
- Möbel abrücken: einige Zentimeter Abstand zu Außenwänden, damit Luft zirkulieren kann.
- Türen zu kühlen Räumen schließen: Sonst strömt warme, feuchte Luft dorthin und kondensiert an den kalten Wänden.
Der letzte Punkt wird häufig falsch gemacht. Ein kühles Schlafzimmer, dessen Tür tagsüber offen steht, sammelt die Feuchtigkeit aus Küche und Bad ein. Entweder heizen Sie den Raum mit, oder die Tür bleibt geschlossen und der Raum wird separat gelüftet.
In Neubauten steckt in den ersten ein bis zwei Jahren noch Baufeuchte in den Wänden, und nach einer energetischen Sanierung ist die Gebäudehülle dichter als vorher, weshalb dort oft Fensterfalzlüfter für eine Grundlüftung sorgen. In beiden Fällen müssen Sie häufiger lüften, als Sie es gewohnt sind.
Luftfeuchtigkeit messen, erhöhen und verringern
Ob Sie oft genug lüften, zeigt ein Hygrometer. Die relative Luftfeuchte sollte nach Empfehlung des Umweltbundesamts zwischen 40 und 60 Prozent liegen, und schon einfache Feuchtigkeitsmesser und Hygrometer reichen zur Kontrolle aus. Stellen Sie das Gerät dort auf, wo die Luft ruhig ist, also nicht direkt am Fenster und nicht über der Heizung. Messen Sie in Problemräumen wie Bad, Schlafzimmer und Keller getrennt, weil sich die Werte innerhalb einer Wohnung stark unterscheiden.
Liegt der Wert dauerhaft zu niedrig, können Sie die Luftfeuchtigkeit gezielt erhöhen. Liegt er dauerhaft über 60 Prozent, sollten Sie sie reduzieren, damit es nicht zur Schimmelbildung kommt. Zeigt das Hygrometer eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften, liegt die Ursache meist nicht mehr bei der Lüftungsroutine, sondern etwa bei Baufeuchte, kalten Außenwänden oder einem Wasserschaden.
In Neubauten und nach Sanierungen übernimmt oft eine Lüftungsanlage den Luftaustausch. Versorgt sie die gesamte Wohnung, ist Fensterlüften nur noch bei Feuchtespitzen wie nach dem Duschen nötig. Die Filter müssen regelmäßig gewechselt werden, mindestens einmal im Jahr. Welche Lüftung ein Gebäude braucht, legt das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 fest.
Wenn schon Schimmel da ist
Kleine, oberflächliche Flecken auf glatten Flächen können Sie selbst entfernen. Bei einem Befall über einem halben Quadratmeter rät die Verbraucherzentrale, Fachleute einzuschalten, und empfiehlt beim Entfernen Handschuhe, eine Atemschutzmaske mindestens der Klasse P2 und eine Schutzbrille. Die ersten Sofort-Maßnahmen bei Schimmelpilz helfen nur dauerhaft, wenn die Ursache gefunden ist. Neben falschem Lüften kommen Bauschäden wie Risse in der Außenwand, ein undichtes Dach oder eine undichte Leitung infrage.
Häufige Fragen zum richtigen Lüften
Wie oft am Tag sollte ich lüften?
In der Heizperiode zwei- bis dreimal am Tag pro Raum für etwa fünf Minuten, dazu jeweils direkt nach dem Duschen, Kochen und Wäscheaufhängen. Wichtiger als die genaue Zahl ist der vollständige Luftaustausch bei weit geöffnetem Fenster. Ein Hygrometer zeigt, ob die Häufigkeit für Ihre Wohnung ausreicht.
Ist ein gekipptes Fenster wirklich so schlecht?
In der Heizperiode ja. Der Luftaustausch bleibt gering, während die Fensterlaibung stundenlang auskühlt und dort Kondenswasser entsteht. Dazu steigen die Heizkosten. Im Sommer ist ein gekipptes Fenster dagegen unproblematisch.
Soll ich die Heizung beim Lüften ausschalten?
Herunterdrehen genügt. Bleibt das Thermostat auf hoher Stufe, heizt es gegen die einströmende Kaltluft an und verbraucht Energie ohne Nutzen. Nach dem Schließen des Fensters stellen Sie es wieder auf die gewohnte Stufe, der Raum erwärmt sich dann zügig.
Wann lüfte ich den Keller richtig?
Im Sommer nachts oder früh am Morgen, wenn die Außenluft kühl ist. Tagsüber bringt warme, feuchte Luft mehr Wasser in den kühlen Keller, als sie hinausträgt, und schlägt sich an den kalten Wänden nieder. Im Winter können Sie den Keller zu jeder Tageszeit lüften.
Welche Luftfeuchtigkeit ist normal?
In Wohnräumen gelten 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte als unbedenklich. Im Bad steigt der Wert nach dem Duschen kurzfristig deutlich höher, das ist normal, solange er durch Lüften wieder sinkt. Dauerhaft über 60 Prozent bedeutet ein erhöhtes Schimmelrisiko.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen Schimmel?
Ein Luftentfeuchter senkt die Luftfeuchtigkeit und kann in Problemräumen wie feuchten Kellern sinnvoll sein, beseitigt die Ursache aber nicht. Liegt ein Bauschaden oder eine undichte Stelle vor, gehört das von einer Fachfirma geprüft.
Fazit zum richtigen Lüften
Richtig lüften heißt, das Fenster kurz und weit zu öffnen und es in der Heizperiode nicht dauerhaft zu kippen. In der Heizperiode reichen zwei bis drei Lüftungen am Tag mit etwa fünf Minuten Durchzug, im Sommer dauert es länger, und Keller lüften Sie dann nur in den kühlen Stunden. Nach dem Duschen, Kochen und Wäscheaufhängen wird zusätzlich gelüftet, bei geschlossener Zimmertür. Ein Hygrometer zeigt, ob die Werte zwischen 40 und 60 Prozent liegen, und Möbel stehen mit etwas Abstand vor den Außenwänden.
