Lüften bei Regen: Was dabei wirklich passiert

Offenes Fenster zum Lüften der Wohnung

Viele halten sich beim Lüften instinktiv zurück, sobald es draußen regnet, aus Sorge, dass die feuchte Luft von draußen die Wohnung noch feuchter macht. Physikalisch betrachtet ist genau das Gegenteil meistens der Fall.

Warum kalte, feuchte Luft die Wohnung trotzdem trocknet

Entscheidend ist nicht, ob es draußen regnet, sondern wie kalt die Luft ist. Kalte Luft kann grundsätzlich viel weniger Wasser aufnehmen als warme Luft, die maximale Wassermenge in der Luft verdoppelt sich laut Umweltbundesamt etwa alle zehn Grad Celsius Temperaturunterschied. Strömt kalte Luft von draußen in die warme Wohnung, erwärmt sie sich dort auf etwa 20 Grad, und ihre relative Luftfeuchtigkeit sinkt dabei deutlich, selbst wenn es draußen geregnet hat. Diese nun trockenere, warme Luft nimmt anschließend Feuchtigkeit aus der Wohnung auf, etwa aus Wänden, Wäsche oder der Atemluft, und lässt sich beim nächsten Lüften wieder nach draußen befördern.

Wann Lüften bei Regen wirklich wenig bringt

Der Effekt funktioniert vor allem dann gut, wenn zwischen drinnen und draußen ein spürbarer Temperaturunterschied besteht, wie es im Herbst und Winter meist der Fall ist. Ist es draußen dagegen genauso warm oder sogar wärmer als drinnen, etwa an einem schwülen Sommertag mit Regen, bringt Lüften kaum eine Verbesserung, weil die einströmende Luft selbst schon viel Feuchtigkeit enthält. In diesem speziellen Fall lohnt es sich, das Lüften auf kühlere Tagesabschnitte zu verschieben, etwa auf die frühen Morgenstunden.

Die einzige echte Ausnahme

Nur bei Unwetter, Starkregen mit Sturm oder Gewitter sollte tatsächlich gewartet werden, bis sich das Wetter beruhigt hat. Dabei geht es aber weniger um die Luftfeuchtigkeit als um Sicherheit und mögliche Wasserschäden durch hereinschlagenden Regen.

Wie sich das im Alltag richtig umsetzen lässt

  • Mehrmals täglich für wenige Minuten Stoßlüften, statt das Fenster dauerhaft auf Kipp zu stellen.
  • Bei Regen und Kälte ruhig normal weiterlüften, die Sorge vor zusätzlicher Feuchtigkeit ist in den meisten Fällen unbegründet.
  • Nach dem Duschen oder Kochen zusätzlich kurz querlüften, weil dort in kurzer Zeit viel Feuchtigkeit entsteht.
  • Ein Hygrometer hilft, den tatsächlichen Wert im Blick zu behalten, statt nach Gefühl zu entscheiden.

Steigt die relative Luftfeuchtigkeit in der Wohnung dauerhaft über 60 Prozent, empfiehlt das Umweltbundesamt häufigeres und intensiveres Lüften, unabhängig vom Wetter draußen.

Unterschied zwischen Herbst, Winter und Sommer

Die Jahreszeit verändert, wie stark der Trocknungseffekt beim Lüften ausfällt. Im Winter, wenn draußen Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen und drinnen 20 Grad, ist der Effekt am stärksten, ein kurzer Stoß von wenigen Minuten reicht dann oft schon aus, um spürbar trockenere Luft in die Wohnung zu holen. Im Herbst mit milderen Außentemperaturen dauert es entsprechend etwas länger, bis derselbe Effekt eintritt, weshalb sich hier eine etwas längere Lüftungszeit von acht bis zehn Minuten empfiehlt. Im Sommer kehrt sich die Rechnung häufig um, an schwülwarmen Regentagen bringt tagsüber gelüftete Luft oft mehr Feuchtigkeit mit hinein, als sie aus der Wohnung mitnimmt.

Warum Stoßlüften besser wirkt als Dauerkipp

Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt vor allem die Wände und Fensterlaibung um das Fenster herum aus, ohne die Raumluft im gesamten Zimmer wirklich auszutauschen. Beim Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster über wenige Minuten tauscht sich dagegen die komplette Luftmasse im Raum aus, während die Wände kaum Zeit haben abzukühlen. Kalte Wandflächen begünstigen an ihrer Oberfläche eher Kondensation und damit Schimmelbildung, weshalb Stoßlüften bei Regen und Kälte grundsätzlich die schonendere und wirksamere Methode ist.

Warum die Angst vor Regenluft trotzdem so verbreitet ist

Die Skepsis kommt meist daher, dass nasse Straßen und ein grauer Himmel intuitiv nach Feuchtigkeit aussehen. Tatsächlich zählt aber nicht der optische Eindruck, sondern allein die Temperatur der einströmenden Luft. Wer diesen Zusammenhang einmal verinnerlicht hat, muss beim Blick aus dem Fenster nicht mehr abwägen, ob sich das Lüften gerade lohnt, sondern kann sich an der Innentemperatur und der Jahreszeit orientieren.

Kurz zusammengefasst

Lüften bei Regen ist in den allermeisten Fällen sinnvoll, weil die entscheidende Größe die Temperatur der einströmenden Luft ist und nicht der Regen selbst. Nur an warmen, schwülen Regentagen bringt es wenig, bei Unwetter sollte aus Sicherheitsgründen gewartet werden. Ein Hygrometer nimmt die Unsicherheit aus der täglichen Entscheidung und zeigt objektiv, ob gerade Lüftungsbedarf besteht.

Wer sich diese Faustregel einmal gemerkt hat, muss beim Blick aus dem Fenster nicht mehr zögern und kann auch an einem verregneten Novembertag ganz normal weiterlüften.

Wie sich ein Hygrometer richtig kalibrieren lässt, steht im Beitrag Hygrometer kalibrieren, zu den Werten im Winter im Beitrag Luftfeuchtigkeit im Winter und zur richtigen Lüftungstechnik im Beitrag Richtig lüften.

Maria Lengemann

Maria Lengemann

Maria Lengemann ist freie Texterin und Ghostwriterin mit über 17 Jahren Erfahrung im digitalen Marketing und Content-Bereich. Sie schreibt Ratgeber, Blogartikel und Webtexte für Unternehmen, die informieren statt blenden wollen. Als Mitgründerin der Diginauten GmbH begleitet sie außerdem kleine und mittelständische Betriebe bei Content-Strategie und Online-Sichtbarkeit.