Moderne Gebäudehüllen sind so dicht, dass durch Fugen kaum noch Luft ausgetauscht wird. Was besagt die DIN 1946-6 für solche Gebäude? Die Norm legt fest, wie Wohnungen ausreichend gelüftet werden, damit Feuchtigkeit und Schadstoffe abgeführt werden. So beugt sie Feuchteschäden und Schimmel vor.

Was besagt die DIN 1946-6 zum Lüftungskonzept?
Die DIN 1946-6 regelt die Lüftung von Wohnungen. Sie beschreibt Anforderungen an Planung, Ausführung, Inbetriebnahme und Instandhaltung von Lüftungsmaßnahmen. Die aktuelle Fassung ist im Dezember 2019 erschienen und hat die Ausgabe von Mai 2009 ersetzt, wie das Normenverzeichnis von DIN Media ausweist.
Kernstück ist das Lüftungskonzept. Fachleute prüfen damit, ob der natürliche Luftaustausch durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle reicht, um die Raumfeuchte abzuführen. Reicht er nicht, sind lüftungstechnische Maßnahmen nötig, zum Beispiel:
- Fensterlüfter, etwa Fensterfalzlüfter
- Außenluftdurchlässe in der Wand
- Schachtlüftung
- ventilatorgestützte Lüftung, zentral oder dezentral
Wichtig ist dabei die Lüftung zum Feuchteschutz. Sie muss nutzerunabhängig funktionieren, also auch dann, wenn niemand zu Hause ist und kein Fenster geöffnet wird.
Wann ein Lüftungskonzept notwendig ist
Ein Lüftungskonzept ist bei Neubauten vorgesehen. Im Bestand wird es bei größeren Sanierungen fällig:
- wenn in einem Ein- oder Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht wird
- wenn in einem Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird
Gerade der Fenstertausch wird oft unterschätzt. Neue Fenster sind deutlich dichter als alte, der bisherige Luftaustausch über Fugen fällt weg. Wie stark die Bauweise die Luftfeuchtigkeit im Raum bestimmt, merken Bewohner dann an beschlagenen Scheiben und feuchten Ecken.
Was die DIN 1946-6 über die Lüftungsstufen besagt
Grundlage der Norm sind vier Lüftungsstufen. Sie beschreiben, wie viel Luft in welcher Situation ausgetauscht werden muss.
| Lüftungsstufe | Hinweise |
|---|---|
| Lüftung zum Feuchteschutz | Diese Art der Lüftung muss nutzerunabhängig zu jeder Zeit gewährleistet sein. Faktoren wie die Dämmung, Dichtigkeit, Art, Größe und Lage des Gebäudes spielen dabei eine entscheidende Rolle. |
| reduzierte Lüftung oder Mindestlüftung | Die reduzierte Lüftung muss auch bei zeitweiliger Abwesenheit des Nutzers gewährleistet sein. |
| Nennlüftung oder Grundlüftung | Die Nennlüftung umfasst die grundsätzliche Lüftung (zum Beispiel mittels Fensterlüftung) während der Nutzer anwesend ist, um den Bautenschutz sowie den gesundheitlichen und hygienischen Standard zu erfüllen. |
| Intensivlüftung | Bei erhöhtem Feuchteanfall durch Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen müssen auch diese Lastspitzen abgebaut werden können. |
Was die Norm für Bewohner bedeutet
Die Norm richtet sich vor allem an Planer, Architekten und Handwerksbetriebe. Für sie ist sie bei Neubau und Sanierung der fachliche Maßstab. Fehlt ein nötiges Lüftungskonzept, kann das bei späteren Feuchteschäden zu Streit über die Verantwortung führen.
Bewohner sollten vorhandene Lüfter deshalb nicht zukleben oder dauerhaft abschalten. Zusätzlich bleibt richtiges Lüften über die Fenster wichtig, vor allem nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen. Wer unsicher ist, ob die Lüftung in einem sanierten Haus reicht, kann den Zustand im Rahmen einer Bauwerksdiagnostik prüfen lassen.
