Sie öffnen mehrmals am Tag die Fenster, und trotzdem zeigt das Hygrometer 65 oder 70 Prozent? Eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften hat fast immer einen Grund, den Sie finden können. Meist entsteht in der Wohnung mehr Feuchte, als das Lüften hinausträgt, oder sie schlägt sich an kalten Wänden nieder, bevor sie das Fenster erreicht. Die Grundregeln zum richtigen Lüften und zum richtigen Heizen setzen wir hier voraus, im Mittelpunkt stehen die Fälle, in denen beides allein nicht reicht.

Ab wann ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch?
Nach Empfehlung des Umweltbundesamts sollte die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zwischen 40 und 60 Prozent liegen. In nicht oder schlecht gedämmten Wohnungen sollte sie im Winter unter 50 Prozent bleiben. Kurze Spitzen nach dem Duschen oder Kochen sind normal. Bedenklich wird es, wenn der Wert über Stunden oder Tage hoch bleibt.
Die Verbraucherzentrale weist in ihren Tipps zum Heizen und Lüften auf einen wichtigen Punkt hin. Zeigt das Messgerät in der Raummitte 50 Prozent, kann die Feuchte an ungedämmten Außenwänden und Wärmebrücken trotzdem zu hoch sein. Bei schlechter Dämmung können an kalten Tagen schon 40 Prozent in Raumecken zu viel sein.
Die häufigsten Ursachen für hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften
Sie lüften zu kurz oder auf Kipp
Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht wenig Luft aus und kühlt die Wand rund um das Fenster aus. Dort bildet sich leicht Kondenswasser. Wirksamer ist die Stoßlüftung mit weit geöffnetem Fenster, am besten mit Durchzug über gegenüberliegende Fenster. In der Heizperiode reichen laut Umweltbundesamt je nach Temperatur und Wind zwei bis drei Lüftungen am Tag für etwa fünf Minuten pro Raum. Im Sommer dauert der Luftaustausch länger, weil sich Innen- und Außentemperatur kaum unterscheiden.
Wäsche, Kochen und Pflanzen bringen mehr Feuchte als gedacht
Laut Umweltbundesamt gibt ein Vierpersonenhaushalt täglich etwa zwölf Liter Wasser an die Raumluft ab, durch Atmen, Duschen, Kochen und Waschen. Dazu kommen viele Zimmerpflanzen, ein Aquarium oder Besuch. Ein großer Posten ist Wäsche, die in der Wohnung trocknet.
- Trocknen Sie Wäsche möglichst im Trockenraum oder im Trockner und nicht im Wohn- oder Schlafzimmer.
- Führen Sie den Schlauch eines Ablufttrockners ins Freie, sonst bleibt die feuchte Abluft im Raum.
- Schließen Sie beim Duschen und Kochen die Tür und lüften Sie die Feuchtespitze sofort hinaus.
- Ziehen Sie nach dem Duschen Fliesen und Duschwand mit einem Abzieher ab.
Kühle Räume und kalte Außenwände
Kühle Luft nimmt weniger Wasser auf als warme. Steht die Tür zu einem kühlen Schlafzimmer offen, zieht warme, feuchte Luft aus Küche und Wohnzimmer hinein und kondensiert an den kalten Wänden. Gerade im Schlafzimmer entsteht so oft eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften. Das Umweltbundesamt rät deshalb, kühlere Räume mit geschlossenen Türen abzutrennen. Ähnlich wirken große Möbel direkt an Außenwänden, hinter denen die Wand auskühlt. Genau dort beginnt oft die Entstehung von Schimmel.
Wer zu sparsam heizt, verstärkt das Problem. Das Umweltbundesamt nennt für den Wohnbereich rund 20 Grad als Richtwert, für die Küche 18 und für das Schlafzimmer 17 Grad. Je kühler ein Raum ist, desto öfter muss er gelüftet werden.
Hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften im Neubau oder nach der Sanierung
In frisch gebauten Häusern steckt noch Wasser aus Putz und Estrich in den Wänden. Laut Umweltbundesamt ist diese Restbaufeuchte in einem massiv gebauten Neubau erst nach ein bis zwei Jahren verstärkten Lüftens aus dem Gebäude. In dieser Zeit ist eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften nicht ungewöhnlich, und die Heizkosten liegen höher.
Nach einer energetischen Sanierung, etwa mit neuen Fenstern, wird die Gebäudehülle dichter. Der unbemerkte Luftaustausch über Fugen fällt weg und muss durch häufigeres Lüften ersetzt werden. Wer seine alten Gewohnheiten beibehält, misst danach oft höhere Werte. Ob ein dichtes Gebäude zusätzlich Lüftungstechnik braucht, klärt ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6.
Keller und Erdgeschoss im Sommer
Im Sommer kann Lüften die Feuchte sogar erhöhen. Warme Außenluft trägt viel Wasser, und an kalten Kellerwänden schlägt es sich nieder. Lüften Sie Keller und Wohnungen im Erdgeschoss oder Souterrain in der warmen Jahreszeit deshalb nachts oder früh am Morgen. In vielen älteren Gebäuden fehlt zudem die Abdichtung der Kellerwände, sodass Feuchte direkt durch das Mauerwerk dringt. Gegen solche Feuchtigkeit im Keller hilft Lüften allein nicht.
Bauschäden und undichte Leitungen
Beschränkt sich eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften und Heizen auf einen einzelnen Raum oder eine bestimmte Wandstelle, kommt das Wasser womöglich von außen. Die Verbraucherzentrale nennt als Ursachen Risse in der Außenwand, eine beschädigte Dacheindeckung sowie defekte Regen-, Trinkwasser- oder Heizungsleitungen. Typische Zeichen sind feuchte Flecken, die nicht abtrocknen, abblätternde Farbe oder muffiger Geruch. Als Mieterin oder Mieter melden Sie einen solchen Schaden sofort dem Vermieter.
Das Hygrometer misst ungenau oder am falschen Ort
Ein Messgerät direkt am Fenster, über der Heizung oder neben dem Wäscheständer zeigt keinen typischen Wert für den Raum. Bevor Sie eine hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften auf Bauschäden zurückführen, prüfen Sie deshalb das Messgerät. Stellen Sie es dort auf, wo die Luft ruhig ist. Liegen zwei Geräte nebeneinander deutlich auseinander, ist mindestens eines ungenau. Beim Messen der Luftfeuchtigkeit zählt deshalb der Verlauf über mehrere Tage mehr als ein einzelner Wert.
Was hilft gegen hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften?
- Feuchtequellen verringern, vor allem Wäsche, die in der Wohnung trocknet.
- Alle Räume ausreichend heizen und kühle Räume mit geschlossener Tür abtrennen.
- Möbel einige Zentimeter von Außenwänden abrücken.
- Mehrmals täglich stoßlüften statt die Fenster zu kippen, dabei das Thermostat herunterdrehen.
- Keller und Souterrain im Sommer nur in den kühlen Stunden lüften.
Reicht das nicht, kann ein Luftentfeuchter die Feuchte in einzelnen Räumen wie Keller oder Bad senken. Er beseitigt aber keine Ursache. Weitere Wege, die Luftfeuchtigkeit zu verringern, reichen vom Abdecken der Töpfe bis zum Dunstabzug in der Küche. Bei Bauschäden oder dauerhaft feuchten Wänden gehört die Ursachensuche in die Hand einer Fachfirma.
Häufige Fragen zu hoher Luftfeuchtigkeit trotz Lüften
Warum ist die Luftfeuchtigkeit morgens im Schlafzimmer so hoch?
Über Nacht geben Sie durch Atmen und Schwitzen Feuchtigkeit ab, und Schlafzimmer sind meist kühler als andere Räume. Lüften Sie laut Umweltbundesamt morgens nach dem Aufstehen fünf bis zehn Minuten bei weit geöffnetem Fenster und möglichst auch vor dem Schlafengehen. Die Tür zum kühleren Schlafzimmer bleibt tagsüber geschlossen.
Hilft ein Luftentfeuchter bei hoher Luftfeuchtigkeit trotz Lüften?
Er senkt die Feuchte in einzelnen Räumen und kann etwa die Zeit überbrücken, bis Baufeuchte abgetrocknet ist. Gegen undichte Wände oder Leitungen hilft er nicht, weil die Ursache bestehen bleibt.
Wann sollte ich Fachleute einschalten?
Wenn feuchte Stellen trotz Lüften und Heizen nicht trocknen, Wasser von außen eindringt oder sich Schimmel ausbreitet. Bei einem Befall über einem halben Quadratmeter rät die Verbraucherzentrale, Fachleute mit der Entfernung zu beauftragen.
